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Projekte am Pädagogium » Schulsanitätsdienst
Schulsanitätsdienst von Carsten Bangert
2004 wurde der Schulsanitätsdienst am Pädagogium ins Leben gerufen. Mittlerweile sind über 50 Schüler zu Schulsanitätern nach den Richtlinien des Deutschen Roten Kreuzes in einer jeweils 40-stündigen Ausbildung zum Sanitätshelfer A ausgebildet. In diesem Artikel möchte ich skizzieren, wie sich das Projekt in den Jahren entwickelt hat und welche schulpädagogischen Prinzipien und Leitideen ich verfolge - nur ein Beispiel für viele gelungene Projekte und Freizeitangebote am Pädagogium:
1. Sinn stiften Gerade im Schulsanitätsdienst erfahren die Schüler immer wieder, wie wichtig ihr eigenes Handeln, genaue Vorbereitung, Fachwissen und Training für ihre persönliche Weiterentwicklung ist. Sie sehen in ihrer Arbeit einen Sinn, verstehen, wofür ihr Lernen und ihre Arbeit wichtig sind und erfahren es permanent im Schulalltag - schließlich kann von ihrer Leistung und ihrem Können Leben und Tod abhängen. Wenn Schüler den tieferen Sinn ihrer Arbeit verstehen, lernen sie gerne, selbstständig, mit einem enormen Wissensdurst. Diese Erfahrung macht mir immer wieder deutlich, dass Schüler in geeigneten Situationen, in denen ihnen die Sinnhaftigkeit der Lerninhalte verständlich ist, gerne lernen und mehr erfahren wollen.
2. Miteinander leben Gerade bei den gemeinsamen Ausbildungswochenenden im hauseigenen Schullandheim Schmalbach und dem Bootshaus bei Diersheim wurde mir immer wieder deutlich, wie wichtig es ist, mit Schülern außerhalb des Fachunterrichtes Zeit zu verbringen. Miteinander zu kochen, zu putzen, zu wandern, zu paddeln, Fußball zu spielen oder einfach am Rheindamm zu liegen und zu erzählen, macht soziales Lernen in idealer Weise erlebbar. Konflikte aushalten, Spaß haben und Lachen, an Regeln halten, für andere arbeiten, mit anderen arbeiten. Hier lernen Schüler fürs Leben.
3. Wertschätzung erleben Erfolgreiches Lernen gelingt nachgewiesener Weise am Besten in einer Atmosphäre, die von gegenseitiger Wertschätzung geprägt ist. Wenn Schüler spüren, dass sie ernst genommen werden, dass sie als Personen Anerkennung erfahren und sich auch einmal einen Fehler erlauben dürfen, dann können sie sich öffnen und in entspannter Umgebung sich auch auf die Lerninhalte und ihre Arbeit konzentrieren. Obwohl diese Erkenntnis keine Neue ist, hat sie meiner Meinung nach noch nicht den notwendigen Stellenwert. Geringschätzung, Denunzieren, Beleidigen, Bevormunden oder permanentes Besserwissen - ob begründet oder nicht - führt nicht nur in der Schule, sondern auch in jedem anderen Arbeitsverhältnis automatisch zu weniger Effektivität. "Bedingungslose Wertschätzung" im Sinne von Carl Rogers, dem Begründer der Humanistischen Psychologie sehe ich als den wichtigsten Katalysator schulischen Lernens. "Nicht demotiviert ist schon genug motiviert! Führungskräfte, die ihre Mitarbeiter arbeiten lassen und sie nicht an der Ausübung ihrer individuellen Fähigkeiten behindern, brauchen sich über Mitarbeitermotivation keine Gedanken machen!" - so die Worte eines Experten für Projektmanagement und die Ausbildung von Führungskräften - eine Erkenntnis, die sich meiner Ansicht nach, eins zu eins auf die Schule übertragen lassen.
4. Konsequent führen Um nicht missverstanden zu werden: Ich bin kein pädagogischer Romantiker, der behauptet, dass in Lerngruppen stets Harmonie herrschen kann und soll. Im Gegenteil: Ich bin davon überzeugt, dass Lerngruppen nur erfolgreich arbeiten, wenn sie konsequent geführt werden. Ohne Regeln und ohne das beharrliche und konsequente Einfordern dieser, kann keine lernförderliche Atmosphäre in der Gruppe entstehen. Hier müssen Schüler Disziplin erfahren und Lehrer müssen diese konsequent einfordern. Der Lehrer muss hier auch immer wieder eine "Reibfläche" für Schüler bieten. Er muss hier klar Farbe bekennen und das Einhalten der Regeln eisern verlangen. Schüler brauchen diese Reibungen, um sich orientieren zu können. Regeln schaffen Orientierung. Gleichzeitig dürfen die Lehrer während der notwendigen und ganz selbstverständlichen Auseinandersetzungen nie verletzend oder geringschätzend werden - und das ist das ungemein Anspruchsvolle am Lehrerberuf. Ohne "Wertschätzung" gelingt kein wahrer "Respekt". Ohne wirklichen "Respekt" ist keine "Wertschätzung" möglich. Beides bedingt einander. 5. Verantwortung übertragen, Vertrauen schenken, Erfolge ermöglichen Neben dem üblichen und regelmäßigen Sanitätsdienst während des Schulbetriebes, hat jeder Schulsanitäter noch mindestens eine weitere Aufgabe innerhalb des "Betriebes Schulsanitätsdienst": Sie sind entweder Pressesprecher, Funkwart, verantwortlich für die Bestellung des Sanitätsbedarfes, Ausbildungshelfer, usw. Schüler übernehmen hier Verantwortung, erhalten damit die Möglichkeit ihre Begabungen und Interessen zu entdecken und weiterzuentwickeln und erleben die positiven und negativen Facetten von "Verantwortung".
Hier habe ich auf eindruckvolle Weise erlebt, wie einige Schüler über ihre Grenzen hinauswachsen. Dazu ein Beispiel: Vor einem Jahr habe ich den Versuch gewagt, einen Schüler als "Stellvertretenden Leiter" des Schulsanitätsdienstes einzusetzen. Es war ein Versuch, von dem ich nicht wusste, ob er funktioniert oder scheitert. Hören Schüler auf andere Schüler, die ihnen gegenüber weisungsbefugt sind bzw. sein sollen? Überfordere ich einen Schüler nicht mit einer Führungsaufgabe, in der er verwalten und organisieren muss. Die Erfahrung hat gezeigt, dass es genau die richtige Entscheidung war: Er hat mich bei der Planung, Durchführung und Leitung des Sanitätsdienstes erheblich entlastet. In zahlreichen "Dienstgesprächen" haben wir die strategische Planung des Sanitätsdienstes gemeinsam entwickelt und mit den anderen Sanitätern abgestimmt. Der Schüler hat hier Führungsqualitäten gezeigt. 6. Miteinander lehren und Leistung einfordern Besonders beeindruckend waren die älteren und "erfahrenen" Schulsanitäter (Ausbildungshelfer) bei der Ausbildung der neuen Sanitäter. Im vergangenen Jahr beschränkte sich meine Aufgabe in der Ausbildung darauf, die Fachkompetenz der Ausbildungshelfer sicher zu stellen und weiterzuentwickeln und für die Ausbildung geeignete Lernarrangements zu entwickeln bzw. das notwendige Lernmaterial zur Verfügung zu stellen. Meine Hauptarbeit lag also in der aufwändigen Vorbereitung der einzelnen Ausbildungstermine. Die Ausbildung selbst wurde von den Ausbildungshelfern nahezu selbstständig durchgeführt. Ich stand als Ratgeber und Moderator im Hintergrund zur Verfügung. Diese Arbeitsweise hat mehrere Vorteile:
Natürlich ist bei einer solch freien Lernsituation eine kleinschrittige Lernkontrolle und Überprüfung, ob die vorgegebenen Lernziele erreicht wurden, nötig. Die Schulsanitäter müssen also regelmäßig "Rechenschaft" über ihre Arbeit ablegen und werden am Ende jedes Ausbildungsabschnittes intensiv geprüft. Die Qualitätssicherung der Ausbilder fand in regelmäßigen Vorbesprechungen statt.
Gerade am letzten Ausbildungstermin wurde mir deutlich, dass Schüler besondere Leistung bringen, wenn sie von einander lernen. Ich konnte prinzipiell mehr Fachwissen vermitteln als die Jahre zuvor. Die Schüler haben sich gegenseitig auf abwechslungsreiche Art und Weise selbst ausgebildet. Sie hörten sich ab, erklärten, trainierten ihre Kompetenzen in Fallbeispielen. Hier wurde mit "Kopf, Herz und Hand" gelernt.
Auch wenn ich weiß, dass die Schulsanitätsdienstgruppe nicht vergleichbar mit einer üblichen Schulklasse ist, da die Schüler sich freiwillig für die Ausbildung melden und außerdem ein Bewerbungsverfahren durchlaufen, bin ich davon überzeugt, dass die vorgestellten Prinzipien und eine von ihnen getragene Führungskultur sowohl im normalen Fachunterricht als auch im Unternehmen zu mehr Effektivität und Zufriedenheit führt. Carsten Bangert
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