Es ist die Aufgabe des Gymnasiums, die Schülerinnen und Schüler auf das Hochschulstudium vorzubereiten. Nicht alle unsere Schüler wollen jedoch auch studieren. Mehr als 100.000 Abiturienten haben im letzten Jahr in der Bundesrepublik einen Lehrvertrag unterschrieben. Es ist also wichtig, schon früh Arbeitsfelder außerhalb der Schule kennen zu lernen.
Auch für die traditionellen Studiengänge an den Hochschulen hat sich das Anforderungsprofil verändert: fächerübergreifendes Lernen, Gruppen- und Teamarbeit, Eigeninitiative sind neben der fachlichen Kompetenz gefragt. Das Pädagogium öffnet sich deshalb frühzeitig solchen Erfahrungs- und Trainingsfeldern, die Erkundungsorte außerhalb der Schule anbieten, z.B. Forschungseinrichtungen, Kanzleien von Steuerberatern und Rechtsanwälten, Krankenhäuser, Rundfunkanstalten, aber auch Gewerbebetriebe, deren kaufmännische oder technische Abteilungen interessante Praktikumsplätze bieten.
Es ist das Ziel der Berufserkundung, dass unsere Schülerinnen und Schüler ihre eigenen Fähigkeiten erproben, außerschulische Lernorte kennen lernen und einen ersten Einblick in das Berufsleben bekommen. Wir bereiten in der Schule die Berufserkundung vor, der Gemeinschaftskundelehrer und der BOGY-Beauftragte informieren über den Ablauf, die unterschiedlichsten Berufsfelder und die Qualifikationen für bestimmte Berufe. Das Pädagogium arbeitet eng mit den Berufsberatern der Arbeitsagentur zusammen, die Schülerinnen und Schüler besuchen natürlich auch das Berufsinformationszentrum BIZ in Rastatt. Es werden Techniken trainiert, wie man ein Interview führt, ein Protokoll schreibt und einen Bericht verfasst. Die Schülerinnen und Schüler suchen selbstständig BOGY-Erkundungsstellen und entwerfen Bewerbungsschreiben; das Pädagogium liefert lediglich ein Begleitschreiben, das den schulischen Charakter und die Intention der Berufserkundung verdeutlicht und während der Berufserkundung hält der BOGY-Beauftragte Kontakt zu den Praktikumsstellen, um sicherzustellen, dass die Schülerinnen und Schüler einen adäquaten und möglichst umfassenden Eindruck von "ihrem" Berufsfeld bekommen.
Der Praktikumsbericht
Die Schüler verfassen nach dem Praktikum einen umfangreichen Bericht, Verlauf und Ergebnisse der Berufserkundung werden so schriftlich fixiert und machen die beruflichen Ziele und Möglichkeiten bewusst(er). Diese umfangreichen Berichte dienen auch zur beruflichen Information der Schülerinnen und Schüler der Folgejahrgänge, geben wichtige Hinweise auf geeignete Praktikumsplätze. Nebeneffekt: Die im Fach Deutsch gelernte Berichtsform wird jetzt fächerverbindend auf ein gemeinschaftskundliches Projekt angewendet und es werden formale Aspekte eingeübt, die z.B. in Hinblick auf die Facharbeit und die GFS sehr hilfreich sind. Außerdem präsentieren die Schüler ihre Erfahrungen vor der Klasse und der Schulöffentlichkeit, in der Regel in einer aufwändigen Informationsveranstaltung im Seminarraum.
Berufs- und Studienorientierung in der Oberstufe
In den Oberstufenklassen setzt sich der BOGY-Prozess fort durch weitere Besuche im BIZ. Im Fach Gemeinschaftskunde werden die Kenntnisse der wirtschaftlichen Zusammenhänge vertieft. Auch im letzten Jahr gab es wieder Besuche von Referenten privater Hochschulen bei uns im Pädagogium und die Schülerinnen und Schüler der Klassenstufe 13 nutzten zusammen mit ihrem Klassenlehrer den "Tag der offenen Tür" an den Universitäten Freiburg und Karlsruhe.
In enger Zusammenarbeit mit Banken und Krankenkassen in Baden-Baden bietet das Pädagogium jetzt auch ein so genanntes "Assessment Center" an: Während eines ganzen Schultages lernen die Schülerinnen und Schüler praxisorientiert die Inhalte dieses anspruchsvollen Personalentwicklungsverfahrens kennen, das in vielen großen Unternehmen längst die üblichen Vorstellungsgespräche abgelöst hat.
Eignungstest Berufswahl: Vier Stunden schwitzen und volle Konzentration
Im Rahmen des Projekts BOGY ist dieser Test ein weiterer Schritt auf dem Wege,
Berufsinteressen zu entdecken und zu entwickeln,
Stärken und Schwächen zu erkennen,
persönliche Neigungen richtig einzuschätzen.
In Zusammenarbeit mit dem angesehenen "geva-Institut" in München führt Herr Hajung Böckmann auch in diesem Jahr den Test durch, der bereits ein fester Baustein in dem Programm der Berufsorientierung geworden ist.
Der Test besteht aus mehreren Teilen. Der Leistungsteil behandelt logisch-analytisches Verständnis, sprachliches und rechnerisches Denken, Konzentrationsfähigkeit, Allgemeinwissen und räumliches Vorstellungsvermögen. Diese Ergebnisse bilden die Grundlage für die systematische Analyse der persönlichen Berufsinteressen und Berufsziele. Der Abschnitt "Verhaltensweisen" prüft Eigenschaften wie soziale Kompetenz, Teamfähigkeit, Durchsetzungskraft und Belastbarkeit. Gerade hierauf kommt es in vielen Berufen an.
Die Testexperten des "geva-Instituts" werten die Angaben und Lösungen der vielen hundert Einzelfragen aus: über 600 Einzeldaten werden untereinander kombiniert und miteinander verglichen.
Aus den Angaben ergibt sich systematisch ein klares Bild der persönlichen Interessen und Neigungen, der Stärken und Schwächen; ein aussagekräftiges berufliches Eignungsprofil kann so erstellt werden.
Abschließend werden die Testergebnisse dann mit vielen tausend aktuellen Referenzdaten verglichen. Die Berücksichtigung von Unterschieden bei Schultyp, Jahrgang und Geschlechtergruppe gewährleistet, dass sich jeder unserer Schüler in den Leistungen und Eigenschaften an tatsächlich vergleichbaren anderen Schülern messen und genau einschätzen kann.
Die persönliche Auswertung und die Vorschläge zur Berufswahl berücksichtigen alle wichtigen Studiengänge und/oder Ausbildungsberufe. Erfasst sind auch die neuesten Entwicklungswege mit möglichen Zusatzqualifikationen - zum Beispiel von der Schneiderlehre bis zum Studium für Textildesign, oder vom Gärtner über den Umweltschutztechniker bis zum Studiengang der Landespflege an der Fachhochschule.