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von Gisela Brüning Baden-Baden - Aus Freiburg und Freudenstadt, Kehl, Rastatt und Bruchsal kommen sie: Insgesamt mehr als 2000 Abiturienten des Jahrgangs 2010 sind allein oder klassenweise der Einladung zum Festival "Fit fürs Abi in 5 Tagen" nach Baden-Baden gefolgt. Vorstellungen, Diskussionen, Lesungen und Workshops befassen sich ausführlich mit den Sternchenthemen des anstehenden Deutsch-Abiturs. So manche Lehrkraft, die vom Rand aus zuschaut, ist stolz über den Eifer ihrer Schüler und auch ein wenig erstaunt über die Diskussionsfreude eines bisher von ihr unentdeckt gebliebenen Genies. Am Mittwochvormittag hat sich die Klasse 13 des Wirtschaftsgymnasiums vom Pädagogium Baden-Baden um Theaterpädagogin Daniela Krämer geschart. In ihrem Workshop geht es um darstellerische Mittel wie etwa bei einer szenischen Lesung im Stile Philipp Hochmairs, der Kafkas "Der Prozess" als "vielstimmigen Monolog" aufführte - oder als Ensemblemitglied, das eine Rolle zu verantworten hat. Wandte sich der erste Teil des Workshops dem Ausdruck von Emotionen zu, so befasste sich der zweite detailliert mit den darstellerischen Möglichkeiten des Körpers, die sich im Gang, in der Bewegung oder der Mimik mitteilen. Es galt einzelne Figuren aus Kafkas "Prozess" zu spiegeln. Mike stampft ehrfurchtgebietend als Türhüter, Julius schleicht als geprügelter Wächter; Anastasia schwänzelt als verführerische Lena herum, aber keiner spielt den Josef K. - Daniela Krämer beobachtet das Geschehen, erläutert, fragt nach und gibt Schauspielunterricht im Schnellverfahren. "Leises Summen entspannt und lockert die Stimme, die richtige Atmung gibt ihr die nötige Kraft", erklärt sie. T und F seien gut geeignet, genügend Luft für lange Sätze zu speichern und vieles mehr verrät sie ihren Eleven. Die machen alle mehr oder weniger begeistert mit, Basti schaut sich suchend nach einem bequemen Sitz um. "Ein Hund kam in die Küche und stahl dem Koch ein Ei. Da nahm der Koch den Löffel und schlug den Hund zu Brei." Nicht besonders geistreich, aber geeignet, an diesem Text verschiedene Stimmungslagen abzuarbeiten, jeder versucht den Kalauer zu interpretieren. Makda gähnt, Mike singt amüsiert, Michaela regt sich wahnsinnig auf, und selbst Anastasias Gemütsverfassung ist zu erkennen, obwohl sie den Text auf Russisch interpretiert. Schließlich soll aus dem Roman von Franz Kafka gelesen werden, und da zeigt es sich, dass Lesen und Lesen zweierlei ist, wenn man damit seine Zuhörer wie beispielsweise Philipp Hochmair in seinen Bann ziehen will.
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