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Eine Gedenktafel an der Fassade des Hauses Schwarzwaldstraße 6 erinnert seit gestern an Alfred Döblin, dessen Todestag sich am Dienstag zum 50. Mal jährte. Der Schriftsteller verbrachte nach dem Zweiten Weltkrieg vier Jahre in Baden-Baden. Von 1946·bis 1949 wohnte er mit Ehefrau Erna im Erdgeschoss dieses Hauses, in dem heute der. Neffe der damaligen Besitzer, Hans Volz, mit seiner Familie lebt. Hans Volz begrüßte gestern Stephan Döblin, einziger noch lebender Sohn des Schriftstellers. Der 80-Jahrige war mit Ehefrau Juliette Nathalie und Enkelin Clemence aus Paris an gereist, um die Tafel zu enthüllen. Bei strömendem Regen eröffnete Maximilian Stephan, Schüler am Pädagogium, die Feier, der Chor „Päda-Sternchen“ sang später "Freude schöner Gotterfunken“ - laut Volz eines der Lieblingslieder der Familie Döblin. Die Tafel aus Edelstahl wurde vom Rastatter Künstler Joachim Hauns gefertigt. An der Finanzierung beteiligten sich Firmen aus Baden-Baden, Bietigheim und Elchesheim-Illingen, mit denen Volz als Geschäftsführer eines Karlsruher Unternehmens, das ebenfalls als Sponsor auftritt zusammenarbeitet. Der 1948 geborene Hans Volz hat nach eigener Aussage "logischerweise" keine Erinnerung an Alfred Döblin. Einige Episoden über die Döblins in Baden-Baden „klingen mir von Eltern, Tanten und Onkels noch heute im Ohr", so Volz. Mittlerweile habe er sich intensiv mit dem Leben des Schriftstellers beschäftigt. Dabei habe sich "schonungslos eine menschliche Tragödie offenbart", sagte Volz und sprach damit die Flucht Döblins vor den Nationalsozialisten an. Die Tafel sei „ein Hoffnungszeichen, dass Staat und Bürger sich für die Erinnerung an einen zu Unrecht aus Deutschland vertriebenen großartigen Autor engagieren". Die Anwesenheit von Stephan Döblin wertete Volz als Zeichen dafür, dass die Nachfahren "trotz allem persönlichen Leid in und mit diesem Land zur Vergebung bereit" seien. Die Präsidentin der Internationalen Alfred-Döblin-Gesellschaft, Gabriele Sander aus Wuppertal, bezeichnete den Verfasser von "Berlin Alexanderplatz" als "eifrigen kulturellen Brückenbauer“. Er sei nach dem Krieg als einer der ersten Exil-Autoren nach Deutschland zurückgekehrt, habe für das französische Militär als Lektor mitgearbeitet und sich darum bemüht, anderen Autoren "die 1933 zugeschlagenen Türen“ wieder zu öffnen. Außerdem habe er die Zeitschrift "Das Goldene Tor“ herausgegeben und beim damaligen Südwestfunk eine Sendereihe moderiert. Alfred Döblin sei es in Baden-Baden gelungen, ein "Stück europäische Geschichte" wieder zu beleben, fasste Oberbürgermeister Wolfgang Gerstner die Verdienste des Schriftstellers zusammen. Die Gedenktafel am Haus in der Schwarzwaldstraße trage dazu bei, ein "Andenken zu bewahren, das diesem Manne angemessen ist". Auf die Würdigungen seines Vaters reagierte Stephan Döblin mit "aufrichtiger und tiefer Anerkennung". Obwohl der Sohn des Schriftstellers seit seiner frühen Kindheit in Frankreich lebt, hielt er seine Rede auf Deutsch. Darin berichtete er von einem Brief, in dem sein Vater nach der Ankunft in Baden-Baden über den "Schmerz“ des zwölfjährigen Exils in Zürich, Paris, Lissabon und Los Angeles geschrieben habe. Die Gedenktafel, für die er Hans Volz und allen Beteiligten herzlich dankte, solle dazu beitragen, dass sich künftige Generationen an einen Autor erinnern, "der sein Leben lang gegen die Mächtigen kämpfte" und "an der Seite der Unterdrückten und Schwachen dieser Erde stand".
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