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Gemeinsame Aktivitäten von Schülern und Senioren
Bisher verbrachten Schülerinnen und Schüler bei ihren vorgeschriebenen Sozialpraktika rund ein bis zwei Wochen in Altenheimen, Kindergärten oder Krankenhäusern. Danach war das Thema vom Tisch, in den meisten Fällen sahen sich Betreute und Jugendliche nie wieder. Einen neuen Weg beschreitet jetzt das Pädagogium mit dem Ludwig-Wilhelm-Stift. Im Stift arbeitet Aphrodite Labjanai, die an der Fachhochschule Ludwigshafen Pflegemanagement studiert und in Baden-Baden ihr Praxissemester ableistet. "Generationenaustausch" hatte sie als Thema ihrer Diplomarbeit gewählt und war nun auf der Suche nach einer dafür aufgeschlossenen Schule. Am Pädagogium wiederum störte sich Thomas Raible, Schulleiter der Realschule, an der nach seiner Ansicht zu kurzen Verweildauer der Jugendlichen in ihren jeweiligen Sozialprojekten. Mit Konrektor Carsten Bangert erweiterte er deshalb das bisher aus den Bereichen Schulsanitätsdienst, Sozialpraktikum und Streitschlichter bestehende, für alle Schüler vierjährige Projekt "Soziales Engagement" um den Punkt "Generationenaustausch". Grundgedanke dabei war eine Kooperation mit einer sozialen Einrichtung über einen längeren Zeitraum, um dadurch die soziale Kompetenz der Jugendlichen zu fördern. Beim Sommerfest des Ludwig-Wilhelm-Stifts trafen beide Generationen erstmals aufeinander. Die Senioren waren vorab informiert worden und konnten sich bei Kontaktinteresse in eine Liste eintragen. Einmal wöchentlich besuchen vier Jungs und drei Mädchen "ihre" Senioren, mit denen sich innerhalb kürzester Zeit ganz persönliche Kontakte entwickelt haben. Stiftsleiterin Monika Marschall ist glücklich über den freiwilligen Einsatz der jungen Leute. So schreibt sie es beispielsweise eindeutig Marcos Einfühlungsvermögen zu, dass ein durch den Krieg im Gesicht schwer entstellter Senior sich jetzt erstmals im öffentlichen Speisesaal blicken lässt und mit dem Jungen sogar zu Spaziergängen ausgeht. Beide sind immer in angeregte Gespräche vertieft, ebenso wie Johannes, Katharina, Lisa, Tim, Aaron und Helen mit ihren älteren Herrschaften, die sich jede Woche auf den Besuch ihrer neuen "Enkel" freuen. Man tauscht gegenseitig Fotos aus, erzählt Geschichten aus dem eigenen Leben, hört zu, die Senioren machen sich mit neuer Musik vertraut, die Jugend erfährt, wie es ist, im Rollstuhl zu sitzen oder gefüttert zu werden. Projektleiterin Leila Rieflin vom Pädagogium kann ihre vielen, im Vorfeld gewälzten Bücher getrost in die Ecke legen. Die Jugendlichen bringen ganz von selbst jede Menge Ideen für gemeinsame Aktivitäten ein wie spazieren gehen, backen oder mit den Senioren schwimmen im hauseigenen Bad. In Vor- und Nachbesprechungen reflektieren sie in der Schule ihre Erlebnisse mit ihren Wunschomas und -opas, die ihnen sehr ans Herz gewachsen sind, häufig wegen des Fehlens eigener Großeltern. Und wenn die Senioren richtig auftauen und anfangen zu erzählen, sind die Jugendlichen zu Recht ein ganz klein wenig stolz darauf, manchen älteren Menschen durch ihr Engagement aus der Isolation geholt zu haben.
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