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Realschulabschlussfeier 2010 am 16. Juli 2010

Begrüßung durch Schulleiter Thomas Raible

 

größer Liebe Realschüler,
sehr verehrte Eltern, liebe Kolleginnen und Kollegen,

ich begrüße Sie im Namen der gesamten Schul- und Internatsleitung sowie unseres Kollegiums zur diesjährigen Entlassfeier der Realschule ganz herzlich.
Ein herzliches Willkommen auch den Vertretern der Presse.

"Rien ne vas plus" war das Motto, als am 05. Juli ca. 14 Uhr alle Prüfungen der Realschulabschlussprüfung 2010 beendet waren und die Schüler ihre vorläufigen Notenlisten erhalten hatten. Eine ungewohnte Stille breitete sich über den Schlossberg aus, kein "we are the champions", einfach nur wohltuende, aber auch verdächtige, Ruhe. Die die Jahre zuvor von den Schülern praktizierte überschwängliche Freude wich einer inneren Zufriedenheit, dem Glück, endlich alle Prüfungen hinter sich gebracht zu haben. 35 Schülerinnen und Schüler der Realschule des Pädagogiums hatten das Ziel "Mittlere Reife" erreicht.

Viele von Euch hatten bereits nach den schriftlichen Prüfungen in Deutsch, Englisch und Mathematik ihre gesteckten Ziele erreicht, einige verspürten noch den inneren Antrieb, durch mündliche Prüfungen ihre Noten zu verbessern, wenige zitterten weiterhin um den Erfolg. Drei Wochen Prüfungsvorbereitung schien viele zunächst zu lähmen, die Vorbereitungen auf die mündliche fächerübergreifende Kompetenzprüfung liefen nur schleppend an. Lag es an einer Übersättigung der Schüler - nicht schon wieder dokumentieren, präsentieren, reflektieren? Oder lag es an den neuen Strukturen der Abschlussprüfung weg vom reproduzierenden Lernen hin zu Fach-, Methoden-, Personal- und Sozialkompetenzen?

Teams mussten gebildet werden, Themen wurden von den Schülern selbst erstellt und mit Inhalt gefüllt. Die Vielfältigkeit der Themen sei durch einige Beispiele aufgezeigt:

  • XX. Olympische Spiele München 1972 und politische Hintergründe
  • Verfassungsgeschichte vom deutschen Reich bis heute
  • Wirtschaftliche und politische Situation Russlands und Deutschlands im zweiten Weltkrieg

Bei vielen Themen war ein hohes Maß an Eigeninitiative und Engagement gefordert, da hier nur bedingt auf Fachliteratur zurückgegriffen werden konnte. Trotz aller aufgetretenen Probleme - xy war nicht bei der letzten Besprechung, die Themenuntergliederung ist uns nicht gelungen, xy hat keine Dokumentation erstellt und und und - bleibt festzustellen, dass der Lernzuwachs in den genannten Kompetenzen für jeden einzelnen der Schüler durch die Präsentation und das Prüfungsgespräch sehr hoch einzuschätzen ist, auch wenn einige die Gewichtung des Prüfungsgesprächs in der Endnote falsch eingeschätzt haben und ihren Schwerpunkt einseitig auf die Präsentation legten.

Im Endeffekt waren die Prüfungsergebnisse im Ganzen zufrieden stellend, einige sogar hervorragend. Leider haben trotz Daumendrückens nicht alle Schüler die selbst gesteckten Ziele erreichen können. Es ist jedoch für mich beruhigend zu wissen, dass alle ihre Zukunft so weit geplant haben, dass sich keine Sackgasse ergeben hat. Das jetzt Erreichte ist aber auch nur ein Zwischenziel im Zyklus des ewig lernenden Menschen. Vergleichbar mit einem Bahnhof fahren die Züge in verschiedene Richtungen: Ein Großteil der Schüler wird für die nächsten drei Jahre dem Pädagogium die Treue halten und das Ziel "Hochschulreife" anstreben. Andere werden den Schlossberg verlassen und sich an anderen beruflichen Gymnasien oder am Berufskolleg schulisch weiterbilden, wieder andere beginnen ab August oder September mit ihrer Berufsausbildung. Egal welchen Weg Ihr einschlagen werdet, an seinem Ende warten wieder neue Entscheidungen auf Euch, ein neuer Lern- und Erfahrungsprozess wird wieder von vorne beginnen.

Liebe Schülerinnen und Schüler, wenn wir euch heute eure Abschlusszeugnisse überreichen, ist das für viele die letzte Handlung, die eure Schule für euch vornehmen wird. Bis jetzt seid ihr sowohl zu Hause als auch in der Schule bzw. im Internat von einem relativ schützenden Raum umgeben worden, der euch zwar nicht die große viel gepriesene Freiheit geben konnte und auch nicht wollte, euch aber auf der anderen Seite auch vor sicher all zu vielen Dummheiten bewahrt hat. Immer wieder haben Eltern und Lehrer von euch Arbeit und Disziplin eingefordert - manchmal durchaus mühsam und ohne große Gegenliebe - aber erfolgreich. In eurem zukünftigen Leben wird diese Disziplin immer mehr als selbstverständlich von euch erwartet werden. Dies heißt für euch, ein höheres Maß an Selbstdisziplin.

Ein ereignisreiches Jahr findet einen für euch erfolgreichen Abschluss. Aber weltweit sind viele Probleme noch nicht gelöst:

Die Weltwirtschaftskrise des vergangenen Jahres verlor in der Öffentlichkeit ihren Schrecken, alle Prognosen sprechen von einem Aufwärtstrend. Politiker diskutieren über eine stärkere Bankenkontrolle - finden aber keinen gemeinsamen Weg. Vorsicht ist weiterhin geboten, wie uns der Schriftsteller Sten Nadolny in seinem Roman "Netzkarte" von 1981 durch seine Hauptfigur Ole Reuter bereits erfahren lässt: "Nichts kann man voraussagen. Niemand kann begründen, warum alles so und nichts anders geschieht. Stärker als Voraussagen sind Zufall und Widerspruch".

Ebenso stark prägend für das Frühjahr 2010 war der Rücktritt von Horst Köhler und der Neuwahl Christian Wullf´s zum neuen Bundespräsidenten. Rücktritt und Neuwahl berührten viele Menschen zutiefst, die Wahl des Bundespräsidenten fand ein wesentlich größeres Interesse als viele Male zuvor.

Rasche gesellschaftliche, wirtschaftliche und politische Wandlungsprozesse prägen unsere Zeit. Klimawandel und Klimaschutz, Ölkatastrophe im Golf von Mexiko, Verlängerung der Laufzeiten von Atomkraftwerken, zunehmende Armut, Gesundheitsreform, Gewalt unter Jugendlichen, der Nahost-Konflikt, die politischen Entwicklungen in Iran und Afghanistan, Erdbeben in Haiti und seine Folgen, Vulkanausbruch auf Island, Landtagswahlen NRW und die Veränderungen im Bundesrat, Missbrauchsfälle an Kindern und Jugendlichen waren und sind die aktuellen Schlagworte, die von euch ein eigenes Meinungsbild einfordern. Sie verlangen von euch ein ständiges "Up to date" und nehmen Einfluss auf euren Alltag.

Ein Thema prägte intensiv die vergangenen 8 Wochen: Sommermärchen Teil 2 oder Fußball WM in Südafrika ... aber darüber darf ich nicht sprechen (sagte Frau Richter).

In den vergangenen sechs Schuljahren habt ihr durch eure Eltern, die Schule, die Lehrer und Erzieher Hilfe und Unterstützung erfahren, so dass das Ende dieses Lebensabschnitts, geprägt von Erfolgen und Misserfolgen, von Freundschaften und Beziehungen, euch nicht vor eine unüberwindbare Hürde stellen wird. Auch wenn der Umbruch in eurem Leben von euch, euren Eltern und Lehrern mit einem lachenden und weinenden Auge betrachtet wird ist mir nicht Bange um eure Zukunft, wart ihr doch immer wieder in der Lage, nach Misserfolgen in die Erfolgsspur zurückzukehren und euren Weg erfolgreich weiter zu beschreiten. Ein Jahrgang beendet seine schulische Laufbahn, dessen Schüler durch ihre Persönlichkeit uns Lehrern ans Herz gewachsen ist.

Wir wünschen euch auf eurem weiteren Lebensweg viel Erfolg, Gesundheit, eine gute Hand und natürlich immer das notwendige Quäntchen Glück zu einem erfolgreichen und frohen Leben.
Beenden möchte ich meine Begrüßung mit drei Zitaten berühmter Persönlichkeiten, die euch auf eurem weiteren Lebensweg begleiten mögen:

Das erste von der amerikanischen Schauspielerin Jessica Tandy:
"Du bereicherst dein Leben, wenn du etwas tust"

Das zweite von dem deutschen Historiker Golo Mann:
"Wer die Vergangenheit nicht kennt, wird die Zukunft nicht in den Griff bekommen"

Das dritte von der deutschen Widerstandskämpferin Sophie Scholl:
"Das Gesetz ändert sich, das Gewissen nicht"

Zum Schluss sagen Herr Bangert und ich Danke:

  • Frau Föhr und den Päda-Sternchen für die musikalische Umrahmung
  • den Internatslehrern - waren sie Elternersatz und Unterstützung der Lehrer in manch kritischen Phasen
  • Alicia und Mariya, ihre Rede wird später noch folgen
  • allen Fachlehrern für die geleistete Arbeit in den vergangenen Jahren
  • Frau Richter und Herrn Schindler für die Führung und Betreuung der Klassen in den vergangenen zwei Jahren
  • und natürlich euch Schülern, für viele gemeinsame Erlebnisse und Diskussionen - manchmal auch um Nichtigkeiten

Und zu aller letzt ... Danke für Ihre Aufmerksamkeit.

 

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